Warum verschlüsseln?
Obwohl immer wieder die Ablösung durch Instant Messenger prophezeit wird, sind Emails immer noch der de facto Standard zum elektronischen Versenden von Nachrichten. Dem klassischen Brief hat die Mail einiges voraus: der Versand ist schneller, einfacher und fast immer kostenlos. Die meisten Nutzer bevorzugen die Gratis-Angebote von Freemail-Diensten wie GMX, Yahoo, Google Mail und vielen anderen. Vollkommen umsonst sind die allerdings auch nicht, und da geraten auch schon die wichtigsten Nachteile gegenüber dem papiernen Brief ins Blickfeld. Anders als ein Brief besitzt eine Mail normalerweise keinen Umschlag, was geschrieben wird ist für jede Station zwischen Sender und Empfänger lesbar. Wer alles mit liest, bleibt den Kommunikationspartnern dabei verborgen. Das kann der eigene Chef sein, Unternehmen im In- und Ausland, staatliche Stellen usw.. Die Mail passiert auf ihrem Weg zum Empfänger zahllose fremde Server, jeder davon kann die Inhalte speichern und durchsuchen. Wegen der seit Jahren ständig sinkenden Kosten für die Datenarchivierung ist auch das Sichern von Millionen Emails keine Kostenfrage. Zur Speicherung wer mit wem kommuniziert sind Dank Schäuble seit 01. Januar sowieso alle verpflichtet. Landet die Mail dann beim Freemail-Anbieter des Empfängers, ist mit dem Ausspähen der Nachrichten keineswegs Schluss. Die Freemail-Provider finanzieren sich ja gerade dadurch, dass die Daten der Nutzer auswerten und gewinnbringend verwerten.
Während die meisten Menschen ein komisches Gefühl beschleichen würde, wenn sie wüssten, dass ihre Briefe geöffnet und von zahllosen fremden Leuten gelesen, kopiert, archiviert und ausgewertet würden, wird dem Medium Email in dieser Hinsicht kaum Aufmerksamkeit entgegengebracht. Selbst sensibelste Informationen werden teilweise offen und ohne jeden Schutz verschickt. Dabei wäre es eigentlich ziemlich einfach, Emails mit einer Art digitalen Umschlag zu versehen. Die präventive staatliche Überwachung jeglicher Telekommunikation könnte nun erst Recht ein Grund sein, um ein wenig mehr auf die eigene Privatsphäre zu achten. Die Verschlüsselung von Emails, so dass diese nur noch für den Empfänger lesbar sind, liegt also nahe.
Freeware Lösung
Ein kostenloses Komplettpaket für den Einstieg in die verschlüsselte Kommunikation unter Windows bietet z.B. GPG4Win. Grundlage ist der GNU Privacy Guard, ein freies und im Moment unknackbares Kryptographie-System. Das Ganze funktioniert durch den Austausch von Schlüsseln, davon gibt es zwei Arten – einen zum Ver- und einen zum Entschlüsseln. Den ersteren schickt man an alle, mit denen man zukünftig ohne Mitleser kommunizieren möchte. Eine sehr ausführliche Anleitung zur Installation findet sich hier. Im Paket befindet sich der Email-Client Claws Mail, mit dem sich Mails komfortabel vom Desktop aus verwalten und verschlüsselt verschicken lassen. Für Nutzer von Outlook 2003 liegt ein Plugin bei. Thunderbird-User können zum Addon Enigmail greifen. Auch hierzu gibt es eine detaillierte Anleitung. Wer Mails lieber im Webinterface seines Provider liest und schreibt, kann den GPG4Win beiliegenden Schlüsselmanager WinPT benutzen, um die Texte in die Zwischenablage zu kopieren, zu verschlüsseln und wieder einzufügen. Alternativ können Firefox-User auch das Addon FireGPG installieren, um direkt im Browser GPG nutzen zu können. Vorteil der Methode mit den Plugins im Mail-Client: Das Plugin kann Mails automatisch vor dem Senden verschlüsseln, falls ein Schlüssel des Empfängers vorliegt. Ohne Schlüssel bekommt der Empfänger die Nachricht einfach im Klartext. Der Aufwand für den User geht also nach der Einrichtung und dem Schlüsseltausch gegen Null.
1 Antwort zu „Emails verschlüsseln für Einsteiger“