IObit, Hersteller von Advanced Sytem Care und SmartDefrag, arbeitet seit längerem an einem eigenen Malware-Scanner. IObit Security 360 ist inzwischen der Beta-Phase entwachsen, und steht in der Version 1.0 zum Download bereit. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine vollständige Sicherheitssuite, die traditionelle AntiViren-Scanner ersetzen kann. IObits Tool ist vielmehr als Ergänzung zu bestehenden Sicherheitslösungen gedacht. Der Funktionsumfang ist aber keineswegs gering, Security 360 kommt bietet neben dem Malewarescan eine Menge kleiner und nützlicher Module. Die Gratis-Version unterscheidet sich dabei von der kostenpflichtigen ($24.95) nur durch die Deaktivierung automatischer Updates und zeitgesteuerter Scans. Da sich beide Funktionen aber selbstverständlich auch manuell starten lassen, ist das kein wirkliches Manko.

Bei der Hauptfunktion, dem Schutz vor Malware, kommt Security 360 mit 3 verschieden Ansätzen: Prävention, Echtzeitschutz und On-Demand-Scan. Letzterer bietet mehrere Optionen, auswählbar ist ein „Quick Scan“, der den Windows-Systemordner und die Registry durchforstet, der Scan des ganzen Systems sowie ein „Custom Scan“ einzelner Ordner. Bei der Suche konzentriert sich Security 360 auf ausgewählte Schädlinge, der Fokus liegt v.a. bei Rogue-Software. Die Strategie erinnert an den Konkurrenten Malwarebytes, dessen Antimalware ebenfalls nicht den Anspruch erhebt, einen Virenscanner zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Der Quick-Scan läuft bei IObit relativ flott und produzierte auf meinem Testsystem keinen einzigen Fehlalarm. Das ist insofern interessant, als sich in der Betaphase noch viele Nutzer über die große Zahl von False Positives beschwerten. Vielleicht hat IObit mit der Version 1.0 hier noch einmal nachgebessert und den Scanner verbessert. Bei der Anzeige der Funde werden alle zu Schädlingen gehörenden Dateien, Ordner und Registry-Keys zusammen gezählt, so kann es zu relativ hohen Fund-Zahlen kommen, obwohl nur ein Schädling auf dem System gelandet ist. Eine Zusammenfassung unter dem Namen der Schadsoftware wäre bei der Präsentation der Scan-Ergebnisse sicher sinnvoller und würde beim Nutzer weniger Panik auslösen.

Neben dem Scanner existiert außerdem noch ein Echtzeitschutz. Verhaltensbasierte und signaturbasierte Überwachung lassen sich getrennt ein oder ausschalten. Laut Programm hat die Realtime Protection nur besonders gefährliche Schädlinge im Visier. Ob und wie gut der Echtzeitschutz tatsächlich funktioniert, lässt sich allerdings nicht so einfach beurteilen. Die Eicar-Tesdateien scheint das Programm zwar nicht zu kennen, klassische Viren sind aber auch nicht das eigentliche Ziel von Security 360. Eigentlich gilt ja die Grundregel, dass man nie mehrere Echtzeit-Scanner gleichzeitig laufen lassen sollte, damit die sich nicht gegenseitig blockieren oder das System lähmen. IObit verspricht allerdings, dass Security 360 mit „allen“ Antiviren-Scannern kompatibel ist.

Die Funktion zur Prävention von Infektionen findet sich bei den Werkzeugen unter „Passive Abwehr“. Das Modul orientiert sich dabei nicht nur optisch an Spywareblaster. Der Schutz funktioniert über eine interne Liste mit bekannten Schädlichen Webseiten denen dann u.a. im Internet Explorer die Installation von ActiveX-Komponenten und das Setzen von Cookies untersagt wird. Letzteres funktioniert auch im Firefox.

Außer Scannern und Präventions-Modul bietet das Programm noch eine Reihe von nützlichen Tools unter der Rubrik „Werkzeuge“. Da wäre zunächst der Hijack Scan, eine Mischung aus HiJack This und Winpatrol. Mit dem Werkzeug lassen sich z.B. automatisch mit Windows startende Dateien deaktivieren, Broweser Helper Objekte und IE Erweiterungen entfernen oder IE Einstellungen wie Hompage, Suche, usw. ändern oder zurücksetzen. Dienste lassen sich starten und stoppen, die Starteinstellung (automatisch, manuell oder deaktiviert) lässt sich jedoch weder anzeigen noch ändern.

Mit „Unlock & Delete“ lassen sich – ähnlich wie z.B. mit Malwarebytes Fileassasin – gesperrte Dateien löschen, bei denen die normale Windows-Löschung ihren Dienst verweigert und Fehlermeldungen zurück gibt. Der „Privacy Sweeper“ löscht Surfspuren, Benutzereinstellungen und temporäre Dateien und erinnert an CCleaner. Seltsamerweise führt die „PC Sicherheitsanalyse“ in der Übersicht nach der Einblendung der Zahl von „Datenschutz-Problemen“ auch einfach zum Privacy Cleaner, obwohl eigentlich vesprochen wird, den „Zustand“ des Computers, sowie „Internet- und Systemsicherheit“ zu prüfen. Darunter werdn sich die meisten Nutzer wohl doch etwas anderes vorstellen als die Aufzählung von Cookies.

Das Modul „Sicherheitslücken“ ließ sich leider nicht testen, sondern gab nur die Fehlermeldung zurück, dass es sich nur auf englischsprachigen Windows-Versionen ausführen lässt. Der Button PC Tuneup öffnet Advanced System Crae von IObit, falls man es denn installiert hat.
Alles in allem ist Security 360 ein typisches IObit-Produkt: es sieht gut aus, bietet einen riesigen Funktionsumfang und ist auch noch kostenlos. Wer eine Mischung aus Malwarebytes Antimalware, Spywareblaster, Winpatrol und CCleaner unter einer Haube sucht, wird hier fündig. Und wer noch keins dieser Programme auf dem Rechner hat, kann auf jeden Fall zuschlagen. Einen klassischen Virenscanner kann Security 360 zwar nicht ersetzen, will das aber auch gar nicht. Als Zweitscanner, den man ab und zu mal durchlaufen lässt, ist das Tool aber auf jeden Fall zu gebrauchen. Den Echtzeitschutz kann man auch deaktivieren, um Systemressourcen zu sparen und eventuellen Problemen mit anderen Scannern vorzubeugen. Abzüge in der Note gibt es allerdings wegen (noch) nicht funktionierender Module („Sicherheitslücken“) und irreführenden Beschriftungen („PC Sicherheitsanalyse“).
Download: IObit Security 360